Autor

Rolf

Jeitziner

KOSTPROBE

Die Knopfgeschichte *Sponsoren gesucht*

von | Feb 5, 2020 | Kurzgeschichten | 0 Kommentare

kleistern, hämmern, unterjubeln!

Emma bleibt,
Oh Schreck!
an einem Haselstrauch hängen.
Mit einem Ruck spicken alle drei Knöpfe von Omas bunt gestrickten Wolljacke ins nasse Gras.
Wie unachtsam!
Schnell hebt sie die Knöpfe auf und läuft nach Hause.

Emmas Mutter schaut sich die Jacke mit den fehlenden Knöpfen an:

«Das haben wir im Handumdrehen wieder repariert. Weisst du noch, wo welcher Knopf war?»

Auf einem Knopf ist ein Kuckuck.
Auf dem zweiten ein Kleiber.
Und auf dem dritten hämmert der Grünspecht in einen Baumstamm.

«Ich weiss es nicht.»

Am Wochenende kommt die Oma zu Besuch. Emma zeigt der Oma das Missgeschick.

«Das haben wir im Handumdrehen wieder repariert.
Die Knöpfe dieser Jacke erzählen eine Geschichte. Kennst du die Eigenarten des Kuckucks, des Spechtes und des Kleibers, Emma?»
„Nein!“
„Aber sowas!“
«Da bin ich jetzt aber zur richtigen Zeit zu Besuch. Während ich erzähle, kann Lisa die Knöpfe gleich richtig annähen.»

Lisa und Emma setzten sich zur Grossmutter und lauschen gespannt. Lisa hält einen Faden, eine Schere und eine Nadel bereit.

Die Grossmutter erzählt:

«Es kommt ein Grünspecht herangeflogen und meisselt sich eine Höhle als Familienquartier.
Herr und Frau Grünspecht ziehen ein und wieder aus, denn der Familie gefällt es dort nicht.
«Es ist zu windig!»
Alleine bleibt das Loch im Baum, alleine bleibt das Vogelzuhause.

Der Grünspecht singt sein Lied:

Ich hämmere drauflos,
so wird die Wohnung gross,
ich hämmere drauflos,
der Baum ist so famos.

Ich hämmere so stet.
So wie der Wind auch weht,
ich hämmere so stet,
auch wenn der Wind sich dreht.

Ich hämmere für d’Katz,
es ist der falsche Platz,
ich hämmere für d’Katz,
die Rinde ist kein Schmatz.

Ich hämmere den Schnabel krumm,
der Grünspecht ist doch nicht so dumm.
ich hämmere den Schnabel krumm,
drum zieht der Grünspecht um.

Die ganze Arbeit umsonst, jedoch das Klagen des Spechtes ist sehr überzeugend. Die Baumhöhle steht jetzt leer und wartet auf einen neuen Bewohner.
Lisa ist fertig mit dem Knopf des Grünspechts. Nach ein paar Nadelstichen sitzt er nun fest an der Wolljacke.

In der Luft liegt ein Hauch von Neugier. Lisa hält Nadel und Faden bereit und auch Emma schaut mit leuchtenden Augen zur Oma. Wie geht die Geschichte weiter, denn zwei Knöpfe liegen noch in der Hand von Lisa?

Die Oma schaut auf, holt Luft und erzählt weiter.

Es kommt ein Kuckuck angeflogen und legt frech, wie er ist, sein Ei in den unbewohnten Höhlenbau.
Der Kuckuck liebt es, seine Eier in die Nester anderer zu legen. Dieser Schalk verrichtet seine Arbeit nicht, stattdessen brütet jetzt ein Unwissender. Doch hier hat er sich getäuscht und lässt seinen Nachwuchs in einem unbewohnten Haus zurück.

Der Kuckuck singt sein Lied:

Ich hab’ ein Ei,
wo leg’ ich’s hin?
Ei, ei, ei, ei,
wie schlau ich bin.

Ich hab’ kein Nest,
leg ‘s Ei ins Haus,
wer macht den Rest
und brütet’s aus?

Schlau, wer so, wie ich es bin,
Kuckuck, Kuckuck, Kuckuck
Im fremden Nest mein Ei ist drin,
Kuckuck, Kuckuck, Kuckuck.

Der Kuckuck macht sich aus dem Staub und hinterlässt in der unbewohnten Höhle sein Ei zurück.
«Wer kann da jetzt helfen?»

Lisa ist fertig mit dem Kuckucksknopf Knopf des Kuckucks. Nach ein paar Nadelstichen sitzt der zweite Knopf nun fest an der Wolljacke.

Höchste Spannung liegt in der Luft. Lisa und Emma platzen fast vor Neugier. Wie geht die Geschichte weiter? Ein Knopf liegt noch in der Hand von Lisa.
Wisst ihr, welcher Knopf es ist?

Die Oma schaut auf, holt Luft und erzählt weiter.

Es kommt ein Kleiber herangeflogen und besetzt die mit einem Ei belegte Baumhöhle.
Doch der Kleiber läuft am Baum rauf und runter, denn er muss den Eingang reparieren.
«Was für ein Pfusch, der Eingang ist ja viel zu gross!»
So klebt der Kleiber das Loch des Spechts mit Lehm und Speichel zu. Im Nest liegt das Ei des Kuckucks, noch ganz alleine.

Der Kleiber singt sein Lied:

Das Loch ist zu gross,
der Kleiber will’s klein,
was macht er da bloss?
Streicht Spucke hinein.

Speichel und Lehm,
zit, twett, wiüü,
so geht es bequem,
wiwiwiwi, djüdjü.

Baum hinauf und Baum hinunter,
vorwärts, rückwärts frisch und munter,
Kleiber wollen ihre Ruh’,
mauern drum den Eingang zu.

Zufrieden mit sich und seiner Arbeit bezieht der Kleiber durch den kleineren Eingang die neue Behausung. Herr und Frau Kleiber brüten etwas aus, und siehe da: Schon nach kurzer Zeit liegen vier Kleiber-Eier im Nest und daneben das Kuckucks-Ei.

Was für ein Gelege verschiedener Eier, die nur darauf warten, dass jemand aus ihnen herausschlüpft.

Die Zeit kommt, es schlüpfen vier kleine Kleiberküken
Und ein Kuckuck.

«Wie kann das nur passieren?»

Die Geschichte ist aus und die Knöpfe sind an der richtigen Stelle.

Die Grossmutter ist zufrieden mit der Näharbeit von Lisa.
Und
Emma kennt jetzt die Eigenarten des Spechts, des Kuckucks und des Kleibers in- und auswendig.

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