Autor

Rolf

Jeitziner

KOSTPROBE

Herr Bayard *Felix *Sponsoren gesucht

von | Dez 26, 2019 | Kurzgeschichten | 0 Kommentare

Herr Bayard

Die Augen wandern von einer Ecke in die andere. Felix weiss nicht, wie ihm geschieht, denn er steht inmitten eins Kleiderladens.

„Du hast keine passenden Kleider mehr für den kommenden Winter!“,
erklärt Mutter Lisa ihrem Sohn.

Felix verzieht sein Gesicht, denn er weiss jetzt schon, dass Lisa ihn zwingen wird, alle möglichen Kleider anzuziehen. Anschliessend zupfen Lisa und die Verkäuferin an ihm herum. Felix hasst es, Kleider zu kaufen und er fleht seine Mutter immer wieder an: „Wir können doch die Kleider ohne Anprobe kaufen, bitte!“ Doch alles Bitten und Flehen hilft nicht.

So steht nun Felicien mit hochrotem Kopf in der Mitte des Ladens in einer neuen Kluft und Mutter Lisa sowie eine Verkäuferin zupfen an ihm herum.

„Ach, dieser bedauernswerte junge Mann“,
ruft plötzlich eine ältere Dame zwischen den Kleiderstangen hervor.
Mutter Lisa und die Dame schütteln sich freudig die Hände. „Das ist Helga, die Tochter meines damaligen Chefs, des Herrn Bayard“, erklärt Lisa. Das Kleidergeschäft gehört der Familie Bayard und Mutter Lisa hat 13 Jahre lang da gearbeitet.
Beide Damen freuen sich einander wiederzusehen und dabei erzählt Helga
schmunzelt schelmisch eine Geschichte.
Felix spitzt die Ohren.

„Früher, als deine Mutter und ich in diesem Kleidergeschäft gearbeitet haben, konnte ich sie einmal dabei überraschen, wie sie sich von der Arbeit zu drücken versuchte. Als mein Vater, in diesem Kleidergeschäft ein und ausging, organisierten sich die Verkäuferinnen. An verschiedenen Tagen lief der der Kleiderladen nicht so gut, sodass nicht immer alle Verkäuferinnen genug zu tun hatten. Mein Vater sah das gar nicht gerne, wenn die Verkäuferin nicht tüchtig an ihrem Platz stand. Trotzdem war den Verkäuferinnen ab und zu langweilig, sodass sie sich auf den Heizungs-Radiatoren niederliessen und sich so ihrer Faulheit hingaben. Die Verkäuferinnen machten untereinander aus, dass wenn der Patron Bayard um die Ecke kommt, immer eine von ihnen „Der Papi kommt!“ als Warnung in den Laden hineinruft. Dann würden alle so tun, als wären sie beschäftigt.“

Ja, ja Felix, deine Mutter Lisa hatte es faustdick hinter den Ohren, denn dank dieser organisierten Verkäuferinnen-Truppe hat mein Vater die Verkäuferinnen nie beim Faulenzen erwischt.

Doch eines Tages erwischte ich deine Mutter, als sie «Der Papi kommt!“ rief.
Mit einem Lächeln im Gesicht und hochrotem Kopf ergänzt Lisa die Geschichte: „Wir hatten es immer gut mit Herrn Bayard und auch mit dir Helga und deinen Geschwistern die gelegentlich im Laden aushalfen. Miteinander pflegten wir einen sehr freundschaftlichen Umgang.

Es war mir sehr peinlich, dass du mich erwischt hattest, und ich kann mich noch gut an deine Antwort erinnern.
Als ich dir die ganze Geschichte mit Papi und dem Radiator erzählt hatte, kam lediglich ein herzhaftes lächeln von dir. Du sagtest nur: „Na sowas, weiter so!“

Wir hielten uns anfänglich mit dem „Papi“ etwas zurück, jedoch nur für eine kurze Zeit, denn du, Helga, hast uns nicht verraten.

Felix steht immer noch mit neuer Garderobe und nicht mehr mit so rotem Kopf in der Mitte des Kleiderladens. Er hat sich prächtig über die Geschichte von Helga amüsiert.
Die Kleideranprobe war dieses Mal nicht so schlimm wie sonst.

Die Kleider sind gekauft, Felix und Lisa verabschieden sich von Helga und der Verkäuferin.

„Adieu Papi!“

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